EnBW-Deal

Stuttgart, 10. Dez. 2010 Spätzle mit Geschmäckle

Das „echt schwäbische Geschäft“, das für den Steuerzahler „kostenneutral“ abgewickelt werden sollte, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack: Den milliardenschweren EnBW-Deal betreute ein guter Freund des Ministerpräsidenten.

Dicke Freunde: Stuttgarts Regierungschef Stefan Mappus, hier im Bild, und Morgan-Stanley-Banker Dirk Notheis.

Der Jubel über das „echt schwäbische“ Geschäft, 45 Prozent am Stromversorger EnBW für den Steuerzahler „kostenneutral“ zu erwerben, hat nicht lange angehalten. Kritische Fragen betreffen nicht nur den hohen Preis. Interessant ist auch, dass ein Mann den Deal abwickeln durfte, der Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (44) schon lange nahesteht: Dirk Notheis, seit zwei Jahren Deutschland-Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley.

Der frühere Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) aus Ettlingen ist mit 42 Jahren fast ein Altersgenosse von Mappus. Beide sind langjährige Weggefährten, auch privat. Notheis saß mit Gattin auf der Empore im Stuttgarter Landtag, als Mappus am 10. Februar 2010 vereidigt wurde. Er war in der Delegation des Ministerpräsidenten beim Papstbesuch im Sommer. Und er ist Trauzeuge des Ehepaars Mappus. Notheis soll es gewesen sein, der die frühere Bundesgeschäftsführerin der JU, Susanne Verweyen, mit dem damaligen CDU-Aufsteiger aus Pforzheim zusammenbrachte.

Notheis soll sich beim damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel dafür eingesetzt haben, dass Mappus 1998 zum Staatssekretär im Umwelt- und Verkehrsministerium befördert wurde. Auch er selbst hätte in der CDU viel werden können, wählte aber die Bankkarriere. Er ist ein großer Netzwerker. Mit Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) war er auf Delegationsreise, als dieser noch Bundeswirtschaftsminister war, bei EnBW-Vorstandschef Hans-Peter Villis sitzt er in einer losen Debattierrunde.

Notheis ist einer der engsten finanzpolitischen Berater von Mappus. Er betont stets, sein Partei-Engagement – er ist Beisitzer im CDU-Landesvorstand – sei nur ein Ehrenamt. Er legt Wert darauf, als unabhängig zu gelten: „Scheuklappen sind heute weniger denn je angebracht. Die Farbenlehre ist in der Politik ein redundantes Moment.“ Nützliche Kontakte aus der Politik aber sind nicht ausgeschlossen. Als Banker war Notheis involviert, als die Bahn an die Börse sollte – sein Kumpel Mappus war als Staatssekretär und dann als Minister für die Bahn im Südwesten zuständig.

Als Ministerpräsident nahm Mappus den Freund nun zu den Gesprächen mit der Électricité de France (EdF) über den Kauf von deren EnBW-Anteilen nach Paris mit. Er übertrug seinem Weggefährten die komplette Abwicklung des Anteilskaufs.

Laut Staatsministerium erfolgte die Vergabe „im Einklang mit dem Vergaberecht direkt, das heißt ohne Ausschreibung“. Der Landesrechnungshof hält für „legitim, dass eine Unternehmensbeteiligung in dieser Dimension und mit internationaler Verflechtung vertraulich angebahnt und vorbereitet wird“. Die Höhe der Vergütung wird vertraulich behandelt. Üblich wären rund 0,8 Prozent des Transaktionsvolumens, in diesem Fall von 4,7 Milliarden Euro. Der Obolus für Morgan Stanley und Dirk Notheis liege „weit darunter“, ist zu hören. Alles sei rechtlich wasserdicht, von „Heerscharen von Juristen“ geprüft.

Trotzdem ist jetzt von einer „Spätzle-Connection“ die Rede. Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann sieht durch den „Überraschungscoup“ viele Fragen aufgeworfen. Warum, fragt er, sei Morgan Stanley bevorzugt worden, nicht die LBBW oder ein Konsortium baden-württembergischer Banken?

SPD-Fraktionsvize und Landeschef Nils Schmid verlangt „Auskunft aus erster Hand“ in einer Sondersitzung des Finanzausschusses. Kommende Woche will der CDU-Ministerpräsident eine Regierungserklärung zum EnBW-Anteilskauf abgeben. „Mappus wird viel zu erklären haben“, sagt Kretschmann. „Dass der ganze Deal ausgerechnet von seinem Intimus Dirk Notheis begleitet werden soll, gibt dem Ganzen zumindest ein Geschmäckle.

Siehe dazu u.a. auch: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/0,2828,434774,00.html oder http://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Horstmann

Entscheidungen etc. in der Ratssitzung am 10. Dez. 2010

Herford, 11. Dez. 2010 Berichterstattung zur gestrigen Ratssitzung

An dieser Stelle berichtet unser Ratsmitglied HG Scheffer in den nächsten Stunden bzgl. der gestrigen Beantwortung unserer offiziellen Ratsanfragen i.S.

  • MARTA-Anteile,
  • Sachstand zum ehem. Kaufhof-Areal und zu
  • 0! herford (ein neues Gesicht für Herford)

durch die Verwaltung sowie bzgl. der in der Ratssitzung getroffenen Entscheidungen und das jeweilige Abstimmungsverhalten.

0! herford

Herford,  06. Dez. 2010  Offizielle Ratsanfrage der Freien Wähler Herfords zu dem verwaltungsseitig verfügten „neuen Gesicht“ für Herford

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,

mit Überraschungseffekt wurde dem Rat der Stadt Herford am 12. Nov. 2010 – unter der Überschrift „Ein neues Gesicht für Herford“ – ein für viel Geld extern entwickeltes, auf keine „Gegenliebe“ stoßendes „Logo“ präsentiert. Siehe auch z.B. Jetzt muss es noch beim Bürger ankommen . . . (Das „neue Gesicht“ für Herford)

Zur weiteren Überraschung musste festgestellt werden, dass die Entscheidung für das neuerlich bereits offiziell Verwendung findende „Logo“ längst getroffen war. Selbst die Stelle einer Grafikerin war bereits besetzt worden.

Besonders vor dem Hintergrund, dass Sie es sind, der regelmäßig Begrifflichkeiten, wie „Bürgerbeteiligung“, „Bürgerkommune“ etc. verwendet, stellt sich die Frage, weshalb immer häufiger Entscheidungen vorbei an den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Herford – ja, selbst vorbei am Rat der Stadt Herford – getroffen werden?

Dies ganz abgesehen davon, dass die vier „fraktionslosen“ Ratsmitglieder, die immerhin 9 % der Herforder Wählerinnen und Wähler Herfords vertreten, von Ihnen in der Regel in der Informationskette ignoriert werden.

Zu dem „neuen Gesicht für Herford“ stellen sich aktuell u.a. folgende Fragen:

  • Was hat die Verwaltung zum gegenwärtigen Zeitpunkt bewogen, ein neues Logo in Auftrag zu geben?
  • Weshalb hat die Verwaltung – anders als beim H20 – auf „Öffentlichkeit als Gütsesiegel“ verzichtet?
  • Weshalb ist verwaltungsseitig auf die Präsentation von Alternativen und die Bewertung durch eine Jury – unter Beteilgung der Bürgerinnen und Bürger sowie kompetenten lokalen Rates – verzichtet worden?
  • Wie bewerten Sie die z.T. nachvollziehbar fachkompetent begründeten Argumente gegen das „Logo“?
  • Was erhoffen Sie sich von einer Bürgerversammlung, wenn das neue „Logo“ nicht zur Disposition steht?
  • Ist davon auszugehen, dass bzgl. eines neuen „Logos“ und der Stelle einer Grafikerin verwaltungsseitig ein kausaler Zusammenhang zu den im Jahr 2013 stattfindenden „internat. Hansetagen“ besteht?

Für die Beantwortung der vorstehenden Anfragen in der Ratssitzung am 10. Dez. 2010 danken wir Ihnen.

Mit freundlichem Gruß
HG Scheffer

Ratsanfrage zum „ehem. Kaufhof-Areal“

Herford, 06. Dez. 2010 Offizielle Ratsanfrage der Freien Wähler Herfords zum Sachstand bzgl. der Entwicklung des ehem. „Kaufhof-Areals“

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Mitte Mai 2010 hat die Verwaltungsspitze Vertreterinnen und Vertretern des Rates – inmitten der laufenden Gespräche mit pot. Projektentwicklern – eröffnet, dass man sich bzgl. der künftigen Nutzung des ehem. „Kaufhof-Areals“ verwaltungsseitig für eine „Herforder Lösung“ – in Kooperation mit der Firma Gundlach Gewerbeimmobilien, Hannover und dem Herforder Architekturbüro Schlattmeier – entschieden habe.

Der Rat der Stadt Herford hat das verwaltungsseitige Vorgehen in Verbindung mit der Sitzung des Rates am 18. Juni 2010 zunächst einmal mehrheitlich mitgetragen.http://www.liste2004.de/press/herforder-loesung-fuer-das-ehemalige-kauhof-areal

In der Folgesitzung des Rates am 01. Okt. 2010 sollte sodann durch die Projektentwickler der zwischenzeitlich, bzw. bis dahin konkret erreichte Sachstand aufgezeigt werden.

Nachdem dies in der Sitzung des Rates am 01. Okt. 2010 lediglich ansatzweise geschehen ist, und der Rat trotzdem mehrheitlich „Planungssicherheit“ erteilt hat, stellen sich aktuell u.a. folgende Fragen:

  • Aus welchem Grund wurde – nachdem bereits auch bei diesem für die künftige Innenstadtentwicklung bedeutsamen Projekt die allerorts üblicherweise genutzte Chance des Wettbewerbs nicht genutzt wurde – bisher auch auf den Konsens unter Beteiligung der „Öffentlichkeit als Gütesiegel“ verzichtet?
  • Welcher Sachstand ergibt sich per heute konkret für die technische Durchführung des Bauvorhabens?
  • Welcher Sachstand ergibt sich per heute konkret für die Umsetzung des derzeit erwogenen Konzeptes insgesamt?
  • Ist es zutreffend, dass dem Projekt bereits der Name „Hanse Passage/n“ o.ä. zugeordnet worden ist?
  • Ist – sofern das zutreffend ist – davon auszugehen, dass auch hier seitens der Verwaltung ein kausaler Zusammenhang zu den im Jahr 2013 in Herford stattfindenden „internat. Hansetagen“ gesehen wird?

Für die Beantwortung der vorstehenden Anfragen in der Ratssitzung am 10. Dez. 2010 danken wir Ihnen.

Mit freundlichem Gruß
HG Scheffer

MARTa-Anteile

Herford, 06. Dez. 2010 Ratsanfrage der Freien Wähler Herfords zu den MARTa-Anteilen der Gesellschaft für Umwelttechnik und Entsorgung mbH

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,

war es in der Vergangenheit so, dass Rat und Verwaltung – den Bürgerinnen und Bürgerin Herfords sowieso – der Eindruck vermittelt wurde, als sei das „Elsbach-Haus“ seit Bestehen vollständig und zu angemessenen Konditionen vermietet, so ist tatsächlich erst aktuell Bewegung in die Belegung des Hauses gekommen.

In Verbindung mit den offenbar verworfenen früheren Plänen war es auch beabsichtigt, dass mindestens die im „Elsbach-Haus“ entstandene Gastronomie von der seinerzeit neu entstandenen Firma Archimedes Facility-Management GmbH übernommen werden sollte.

Die Archimedes Facility-Management GmbH wollte seinerzeit – „im gleichen Zusammenhang“ – auch die nicht unwesentlichen, von der UTEG GmbH gehaltenen MARTa-Anteile http://www.marta-herford.de/ übernehmen.

In dem Zusammenhang seien folgende Fragen gestellt:

  • Hält die UTEG GmbH weiterhin die ursprünglich übernommenen MARTa-Anteile?
  • Wenn ja, in welcher Höhe werden von der UTEG GmbH per heute MARTa-Anteile gehalten?
  • Wem ist die UTEG Gesellschaft für Umwelttechnik und Entsorgung mbH per heute zuzuordnen?
  • Wie stellt sich die Verteilung der MARTa-Anteile per heute generell konkret dar?
  • Wer hält Anteile in welcher Höhe?
  • Wie sollen sich die MARTa-Anteile mittel- und langfristig verteilen?

Für die Beantwortung der vorstehenden Anfragen in der Ratssitzung am 10. Dez. 2010 danken wir Ihnen.

Mit freundlichem Gruß
HG Scheffer