30. Internationaler Hansetag in Pärnu (Estland)

Herford/Pärnu, 21. Juni 2010  Herforder Abordnung ist auf dem Weg nach Pärnu

30. Internationaler Hansetag in Pärnu (Estland)Unter der Leitung des Präsidiumsmitglieds der Internationalen Hanse Manfred Schürkamp ist heute früh eine Herforder Reisegruppe – darunter zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Herforder Stadtverwaltung sowie Ratsmitglieder – nach Pärnu in Estland aufgebrochen.

Vom 24. – 27. Juni nehmen die Herforder an den 30. Internationalen Hansetagen in Pärnu teil. Pärnu selbst begeht die Hanstage ebenfalls zum 30. Mal. Durch seine Lage an der Flussmündung und am Meer kam Pärnu als Transithafen unter den Hansestädten größte Bedeutung zu. Die Kaufleute aus dem „Westen“ haben einst Salz, Weine, Tuch für Kleidung sowie Handwerk  nach „Osten“ geschickt. Von dort wurden Wachs, teure Pelze und Holz  Richtung „Westen“ transportiert. Die exotischen Güter haben auch die Einwohner von Pärnu gelockt – den Hansekaufmännern wurden als Tauschwaren Getreide und Leinen angeboten.

Dabei waren die damaligen Kaufleute nicht nur Kaufleute. Sie waren auch „Kulturboten“. So wurden zum Beispiel internationale Bekleidungsstile übernommen sowie Kunstwerke und Bücher verteilt. Spannende Geschichten über die Sitten und Traditionen anderer Völker wussten die hansereisenden  Kaufleute zu berichten.

Die an der Ostsee gelegene Hansestadt Pärnu wird auch als Perle des Nordens bezeichnet. Erstmalig vor 760 Jahren erwähnt, genoss die Stadt ihren ersten Aufschwung im 14.-15. Jahrhundert – in der Zeit also, in der Pärnu zur Hanse gehörte.

In der Nähe von Pärnu hat man die ersten Spuren menschlichen Besiedelns in Estland gefunden. In Pärnu ist die erste Zeitung in estnischer Sprache erschienen, in Pärnu wurde die Unabhängigkeit der Republik Estland in 1918 erklärt.

Die Hansestadt Pärnu verfügt also über eine spannende Geschichte sowie eine rege Gegenwart, die sich zu den 30. Internationalen Hanstagen präsentiert. Konzerte, Tanz- und Theatervorstellungen werden dargeboten. Originelle mittelalterliche Markttage werden veranstaltet.

Weshalb macht Herford sich – ohne Not – kleiner als es ist?

Herford, 20. Juni 2010   Scheffer: „Allein unsere einmalige  Herforder Stiftsgeschichte bietet uns ein ungeheures Potential!“

Dass es in diesen Wochen gelungen ist, Kräfte zu mobilisieren, um „Ablehnern“ auf sympathische Weise Paroli zu bieten und auch einmal die Stärken Herfords in’s Bewusstsein zu rufen, finde ich großartig!

Weshalb macht Herford sich eigentlich viel zu oft so sehr klein?

Wir haben Dinge aufzuweisen, von denen andere Städte träumen. Und vor allen Dingen gibt es Städte, die leben von, bzw. speisen sich aus geschichtlichen oder auch religiösen Ereignissen, die weit hinter dem, was Herford zu bieten hat, zurück treten.

So haben wir gestern an dem diesjährigen Visionsspiel und dem anschließenden inzwischen immerhin traditionellen Visionsumzug teilgenommen. Aber was machen wir aus dem, was Herford auch hier aufzuweisen hat? (Es lohnt sich in dem Zusammenhang übrigens, interessehalber einmal unter http://de.wikipedia.org/wiki/Herforder_Vision zu googlen.)

Jede Stadt – gleich welchen Alters – verfügt selbstverständlich über eine  individuelle „Stadtgeschichte“. Herford hingegen verfügt – neben der Stadtgeschichte – über die einmalige „Stiftsgeschichte“ des Herforder Frauenstiftes.

Dieter Ernstmeier, den ich 1991 – damals war ich sachk. Bürger der FDP im „Stadtbildpflegeausschuss“ – habe persönlich kennen und schätzen lernen dürfen, hat sich allzeit wie kaum jemand um diesen einmaligen Teil Herforder Stadt- und Stiftsgeschichte  gekümmert und höchst verdient gemacht. Umso bedauerlicher, dass wir es bis heute nicht einmal verstehen, sein großzügiges Vermächtnis auch nur halbwegs angemessen umzusetzen.

Sein Engagement für die Stiftberger Kirche „St. Marien“, die zufällig meine Taufkirche ist, oder auch sein Engagement für die Wallfahrtststätte „Santiago de Compostella“ auf dem uns gerade erst durch HaPe Kerkelings Reisebericht und Bestseller „Ich bin dann mal weg“ in’s Bewusstsein gerückte „Jakobsweg“, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, sind u.a. vor dem Hintergrund Dieter Ernstmeiers Engagement im Zusammenhang mit unserer geschichtlich weltweit verwobenen Stadt zu sehen.

Während wir die traditionelle Vision durch ein Hoekerfest ersetzen, sind vergleichsweise Anlässe in anderen Städten weiterhin Namensgeber für bundesweit herausragende Stadtfeste. Als ein Beispiel sei das alljährliche „Lullusfest“ in Bad Hersfeld erwähnt. http://de.wikipedia.org/wiki/Lullusfest oder http://www.lullusfest.de/

Und, um bei der einstigen Herforder Wallfahrtsstätte St. Marien – der Herforder Marienerscheinung auf dem Luttenberg – zu bleiben: Spontan fallen mir  in dem Zusammenhang auch von meiner Familie immer wieder gern besuchte Orte, wie die in der Welt bekannte „Wieskirche“ in Steingaden http://de.wikipedia.org/wiki/Wieskirche oder der Wallfahrtsort „Altötting“ http://de.wikipedia.org/wiki/Alt%C3%B6tting ein.

Aus religiösgeschichtlichen Ereignissen lässt sich also nachhaltig ein städtisches Marketing entwickeln.

Und hier verfügt Herford gleich über einige „Pfunde“, die – ohne Not – überwiegend nicht oder nicht mehr genutzt werden, bzw. viel zu wenig Beachtung finden.

Man stelle sich einmal vor, welche touristischen Attraktionen sich entwickeln ließen, wenn wir es dann zuließen.

Willkommene Nebeneffekte wären verbundene Konzepte unter Einbeziehung all der aktuellen Alleinstellungsmerkmale Herfords, ganz gleich, ob wir das H2O, MARTa oder die vielen weiteren Bausteine hinzuzählen.

Sämtliche Branchen sowie wir Bürgerinnen und Bürger Herfords könnten und würden davon profitieren.

Man muss das wollen und wagen!

In konzertierter Aktion könnten wir ein unbeschreiblich großes Pensum bewerkstelligen.

Wenn es Bürgern von außerhalb Herfords gelingt, Stimmen gegen eine Kunstinstallation am Bergertor zu sammeln, so müsste es Herforder Bürgern doch eigentlich gelingen, ein Vielfaches an Stimmen zu generieren, um gemeinsam große Dinge („Installationen“) zu bewegen.

Dazu möchte ich uns Mut machen.

Herzlichst
Euer
HG Scheffer

Herforder Vision

Herford, 19. Juni 2010  Wie würdigt man die im 11. Jahrhundert dokumentierte Herforder Vision, die älteste bekannte Marienerscheinung nördlich der Alpen?

Der Legende nach soll an einem 19. Juni, dem Tag der Heiligen Gervasius und Protasius, einem Schäfer die Jungfrau Maria erschienen sein.

Das Jahr, in dem sich die Vision ereignet hat, ist nicht genau bekannt. Einige Quellen sprechen von 940, in anderen Unterlagen wird berichtet, dass die Nachricht zwischen 926 und 973 wie ein Lauffeuer durch Europa ging. Möglich ist auch, dass die Erscheinung erst im Jahre 1011 stattfand.

Die Legende

Für die Legende gibt es unterschiedliche Versionen. Entweder handelte es sich um einen Hirten oder Schäfer, der auf dem Herforder Luttenberg seine Schafe hütete, oder um einen Bettler, genauer gesagt um einen armen und körperlich schwachen Mann, der sich auf dem Weg zum Herforder Kloster befand, wo er um eine milde Gabe bitten wollte.

Plötzlich erschien ihm die Jungfrau Maria in einem strahlenden Lichtermeer. Sie gab ihm eine Botschaft an die Äbtissin des Herforder Frauenstiftes, die aus zwei Teilen bestand: Statt der Prachtentfaltung beim Wiederaufbau des durch die Ungarn zerstörten Klosters solle sie für das geistige Leben Sorge tragen und die Ordensregeln beachten, damit die Gemeinschaft der Nonnen wieder erstarke.

Außerdem solle an der Stelle der Erscheinung ein Ort des Gedenkens entstehen, die später gebaute Herforder Marienkirche. Zur Kennzeichnung des Ortes sollte der Mann ein Holzkreuz aus einem Ast anfertigen. Als Zeichen der Wahrhaftigkeit versprach Maria, in Form einer weißen Taube auf dem Kreuz zu sitzen, sobald die Nonnen erschienen.

Natürlich glaubten die Nonnen dem Mann nicht und legten ihn in Ketten. Als er jedoch die Feuer- und Wasserprobe unbeschadet überstand, gingen sie doch auf den Luttenberg und fanden die Aussage des Mannes bestätigt. Auf dem Kreuz saß wirklich eine weiße Taube.

Reumütig gelobte die Äbtissin Besserung und versprach sofort mit dem Bau der Kirche zu beginnen. Noch lange sollen die Ketten des visionären Knaben in der Marienkirche zu sehen gewesen sein.

In einer anderen Version ist Maria dem Mann auf einem Baum in Gestalt einer Taube erschienen. Der Stumpf dieses Baumes befindet sich innerhalb des Altars der Marienkirche. Er galt als wundertätig und sollte gegen Zahnschmerzen helfen. In einer Urkunde von 1262 wird der Opferstock neben dem Baumstumpf erwähnt, an dem Pilger reiche Opfergaben niederlegten. Vor dem Tor der Kirche hingen Krücken geheilter Kranker. Bis 1712 befand sich eine bildliche Darstellung der Vision an der Südwand der Kirche.

Bis zum Jahr 1000 waren aus der gesamten Christenheit nur 30 Marienerscheinungen überliefert, die meisten aus Byzanz und Südeuropa. Die Nr. 27 war die Herforder Vision.

Zum Gedenken an die Marienerscheinung fand(!) jedes Jahr im Juni eine große Kirmes statt, die ebenfalls Herforder Vision genannt wurde. Sie war damit eine der ältesten deutschen Volksfeste, die ihren Ursprung in einem kirchlichen Ereignis haben.

Bürgerbegehren scheitert erwartungsgemäß am Quorum

Herford, 13. Juni 2010   8.836 Bürgerinnen und Bürger stimmen mit „Ja“!

Es war der erste nordrhein-westfälische Bürgerentscheid zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum“, den die Bürgerinnen und Bürger um den Löhner Daniel Brumberg angestoßen hatten.

Im Rahmen des Projektes „Fünf Tore fünf Orte“ hatte die Wemhöner-Stiftung die Installation des weltweit anerkannten amerikanischen Künstlers Dennis Oppenheim für die Stadt Herford erworben und gleichzeitig erklärt, dass sie für jegliche Kosten und Folgekosten einstehe.

Bereits am 08. Mai 2010 – pünktlich zum „5. Geburtstag“ MARTas – sollten die „Safety Cones“ am Bergertor eines der fünf ehemaligen Stadttore Herfords symbolisieren.

Nachdem der Rat seinen von Brumberg angeprangerten Beschluss im März nicht aufgehoben hatte, waren heute 52.342 Bürgerinnen und Bürger Herfords aufgefordert, für oder gegen die zeitgenössische Kunst zu votieren.

13.029 (24,89 %) Bürgerinnen und Bürger machten davon Gebrauch. 13.001 Stimmen waren gültig. Immerhin sprachen sich 8.836 Wählerinnen und Wähler für die Aufhebung des Ratsbeschlusses aus.

Nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Quorum hätte das zur Abstimmung stehende Bürgerbegehren eine Mindestzustimmung von 20 Prozent aller Stimmberechtigten erfordert. Dieses Ziel wurde nicht erreicht.

„Gleichwohl ist das Ergebnis von 8.836 Stimmen äußerst respektabel“, sagt Heinz-Günther Scheffer („Liste 2004“), der darauf hinweist, dass der amtierende Bürgermeister Bruno Wollbrink zur Kommunalwahl 2009 – im Vergleich – 13.034 Stimmen von im Herbst 2009 52.433 stimmberechtigten Wählerinnen und Wählern auf sich habe vereinigen können.

„Ich bedauere es außerordentlich, dass wir den ersten Bürgerentscheid Herfords ausgerechnet an einem „Kunst im öffentlichen Raum-Projekt“ geprobt haben“, fügt Scheffer hinzu. „Da gibt es wesentlich gravierendere Probleme in Herford. Man denke nur daran, dass es in der kommenden Woche um ein langfristig greifendes Konzept auf dem ehemaligen Kaufhof-Areal geht, an welchem sich unsere künftige Innenstadtentwicklung entscheiden wird.“

Wenn es nach Kämmerer Schürkamp und Bürgermeister Bruno Wollbrink gegangen wäre, wären dem Rat – trotz parallel dazu laufendem Bürgerbegehren zur Kunstinstallation am Bergertor – nicht einmal die alternativen Konzepte der einzelnen Projektentwicklungsgesellschaften präsentiert worden.