Denkwerk Herford – ein Ort der Ideen

Herford, 05. Dez. 2011  Die Deutsche Bank zeichnet Oliver Flaskämper aus – und der stellt sein neues Projekt vor
VON HARTMUT BRAUN, NEUE WESTFÄLISCHE

Er legt den Schalter um | FOTOS: JENNICHES

Herford. Noch ist es eine leer stehende alte Fabrik. Doch Banner und Plakate machen neugierig auf Neues: „Denkwerk Herford“ steht drauf. Am Samstag wehte gleich daneben die Fahne der Deutschen Bank. Und einige hundert Gäste feierten den Gründer Oliver Flaskämper und seine Ideen.

Die Fabrik steht in der Leopoldstraße. Sie war lange an Koralle vermietet. Jetzt gehört sie dem 38-jährigen Internet-Experten. Der plant hier ein Gründerzentrum – nach einem verblüffenden Konzept.

Neue Ideen sind nicht gerade eine Spezialität der Herforder. Doch bei Flaskämper, Erfinder der Internet-Plattform geizkragen.de, hören die Leute genauer hin. „Er ist ein Gesicht, das für die Zukunft dieser Stadt steht“, sagt Bürgermeister Bruno Wollbrink über ihn. „Er hat Ideen, die mich schlicht begeistern“, verrät Christoph Winkel von der Deutschen Bank.

Deren Innovations-Jury hat Flaskämpers Konzept „Chef-Azubi“ als einen von 365 Preisträgern 2011 in ihr Projekt „Deutschland – Land der Ideen“ aufgenommen. „Der Bundespräsident hat unterschrieben, das ist der Ritterschlag für unsere Idee“, freut sich der Geehrte.

Samstag war der Tag der Preisverleihung. Winkel führte eine Delegation der Deutschen Bank an. Landrat und Bürgermeister kamen mit Ratsvertretern. Rotarier, Vertreter der hiesigen Gründerszene und Alt-Unternehmer gratulierten. Außerdem waren die Kreativen aus Flaskämpers Firmen da – 60 meist jüngere Leute mit ihren Familien.

Mittendrin Marc Oliver Gieseck: Er ist der erste Chef-Azubi – und lebendes Beispiel dafür, dass die Idee keine Spinnerei ist: Als der junge Mann mit Unternehmensgeist, aber mäßigen Noten 2007 keine Lehrstelle fand, gründete Flaskämper mit dessen Vater eine eigene Firma: Gieseck war der einzige Mitarbeiter, baute das Unternehmen mit Internet-Dienstleistungen auf und ging daneben zur Berufsschule. Flaskämper stand im Hintergrund als Ausbilder bereit. Am Ende schaffte der Chef-Azubi die kaufmännische Prüfung als einer der Jahrgangs-Besten – und hat inzwischen seinen ersten Mitarbeiter eingestellt.

In der Welt des Internet liegen die Start-up-Ideen auf der (Daten-)Straße. Flaskämper will ihre Träger fördern, sie mit seinem Netzwerk in die Selbstständigkeit begleiten.

Das soll im Denkwerk an der Leopoldstraße passieren. Vorerst muss es bei der Ankündigung bleiben. Das Gebäude wird umgebaut. Flaskämper: „Wenn das fertig ist – in der 2. Jahreshälfte 2012, beginnen wir mit dem Casting.“ Für zehn Chef-Azubis soll Platz sein.
Nebenher gibt es im Denkwerk andere Flaskämper-Ideen wie „rent a desk“: Speziell Einzelkämpfer können sich auf Zeit Schreibtische im Großraumbüro mieten. Andere Büros werden fest vermietet. Und Flaskämper-Firmen ziehen ein.

Dem Festakt am Morgen folgte im künftigen Veranstaltungssaal eine rauschende „Priority-Night“ – mit vielen jungen Leuten und einem stolzen Erlös: 5.000 Euro. Die sind für die Bürgerstiftung bestimmt.